Donnerstag, 10. November 2016

IN DIESEN TAGEN ("Die Geschmacksfrage ist politisch.") Ein Traumbild

Ach du. Wir sollten um die Häuser ziehen. Gerade jetzt. Menschen, die sich lieben, sitzen auf Barhockern und schieben sich Shots zu. Berühren sich nie. Du.



Ich stelle mir das so vor: Wir spielen Pingpong mit Worten, wie wir es tausendmal getan haben. Stichworte genügen uns. Denn wir sind eingespielt. Ein Team, wie man so sagt. Ein verdammt eingespieltes Team. Wir müssen keine langen Argumentationsketten bauen. Manchmal, oft, genügt das Hochziehen der Augenbrauen. Wir sind so verdammt fit. Kein metaphorischer Pingpong-Ball fällt uns jäh zu Boden. (Ich habe dir schon ewig nicht mehr in die Augen gesehen. Ich fürchte mich. Wir könnten beide sehr traurig werden.)

Die Angst, sagt das Establishment, ist ein schlechter Ratgeber. Mir hat sie immer gute Dienste getan. Weil ich so feige bin, passieren mir die schrecklichen Dinge nie. Kein Irrer will mir im Zugabteil seine Schlümpfe zeigen und keine öffnet für mich ihre bodenlose Handtasche. Keine/r küsst mich in Grund und Boden. Habe ich mir geschworen. (Du siehst so unglücklich aus, dass ich am liebsten alle Schwüre brechen würde. Aber das tue ich nicht.)

Als ich noch träumen konnte, in eine Schachtel zu passen, fühlte ich mich freier. Inzwischen bin ich groß geworden und an den Rändern ausgefranst. Ich hoffe weniger und schlafe fester (gelegentlich). Ich lasse mich seltener anfassen, im buchstäblichen und metaphorischen Sinne. (Deiner Troye bin ich gewiss.)

Jetzt ist Goldfinger ein teuflischer Frisör mit fliegendem Salon. Er strebt immer noch die Weltherrschaft an und steht auf platinblond bis margarinefarben. Seine bösartige Armee ist hell und ihre Anführer toupieren sich die Haare. "An meinem Haarspray sollt ihr mich erkennen." Es funktioniert. Nicht. Etwas steht stets ab. Windschnittige Struwwelköpfe allesamt. Aber vielleicht ist auch genau das die Absicht. Dieser weiße Mann ist eh an allem schuld und kann uns leid tun. ("Mir nicht.") 

Der Zusammenhang zwischen Interieur, Design und Diktatur ist unverkennbar. Goldene Türgriffe. Spiegelsäle, Brokat. Die Geschmacksfrage ist politisch. Das will bloß keine wahrhaben. Wir sind ja liberal. ("In dieser Hinsicht nicht.") Ein Verbot goldener Wasserhähne und Pussy-Schleifen könnte mehr Gutes bewirken als alles P.C.-Vokabular zusammen. ("Please. Please." Ich höre deine Verzweiflung. Ich mache dumme Witze doch auch auf meine Kosten. "Please.")

Wir könnten ja auch einmal zusammen weinen. Was hältst du davon? Oder uns unter die Tische trinken. (Ich glaube nicht, dass wir das schaffen.) Der Heil-Mann, den ich meinte, hat seine Zauberkräfte eingebüßt. Er weiß es besser. Und das artet in Besserwisserei aus. Doch schenkte er mir (und ich ihm?) herrliche Sätze, die ich in deinen Schoß legen will, am Tage unserer Niederlage: "Drohend braute sich das Schweigen der Erinnerungen zusammen." und "Die Phantasie lebt, solange der Mensch lebt, der sich zur Wehr setzt."  und "Glaube mir, dass ich dich habe, diese Stunde habe, das ist mein Glück." Zwischen Drohungen, Träumen und Illusionen habe ich geglaubt, dich zu lieben. Glaub ich es mir noch. 

Ach du. Halte. Ich bin dir troy. In diesen Tagen. Auch. 

Montag, 24. Oktober 2016

MEINE KONSOLE GEWINNT IMMER (denn: "Gott weiß es auch nicht.") (Ein Traumbild)

"Du wärst ein Hacker, mit einem IQ von 140." "Und du wärst eine Milliarden-Erbin." "Von einem Chemie-Konzern." Er lachte. "Du wärest aber schon längst ausgestiegen und hättest mit den Pflanzenvernichtungsmitteln nichts mehr zu tun." "Nur noch mit den chemischen Massenvernichtungswaffen, oder wie?" Ich stöhnte. "Wie immer hast du den besseren Part." "Ach nee, ich wäre doch vollkommen abhängig von deinem Geld, um..."

Es kostete uns eine Milliarde. Locker los gemacht. Eine einsame Farm in West Virginia (Mountain Mamma) ("Mit einem unterirdischen, weitverzweigten Bunkersystem". "Hoch- effektive Server." "Spiegelung auf Hawai." "Und Island") als Hauptquartier. Neben dran eine weiße Holzkirche. Wie man sie kennt. Aus Filmen über kleine Farmen, bewaffnete Familienoberhäupter und hochmoralische Lehrerinnen mit Dutt. Ein Jahr dauerte die Vorbereitung. Wie im Film verwenden wir hierfür Zeitraffer. So genau müssen wir das im Traum nicht wissen, wie das im Einzelnen funktioniert. In grauen Büros arbeiten unentwegt schlanke, androgyne, junge Männer und Frauen in Slim Jeans und T-Shirts mit sonderbaren Aufdrucken vor hochauflösenden Bildschirmen. Webseiten, Konten, Server werden identifiziert und infiltriert. Ha, wie das rauscht.

Wir sind ok. Die Ok-Guys. Demokratisch, Praktisch. Gut. Wir variieren vielfältige Identitäten, probieren sexuelle Praktiken und Orientierungen aus und achten auf Diversität. In unserem Bunker geht es bunt und nett zu, deshalb tragen auch alle gedeckte Farben, ohne Unterschied. Religion, ethnische Herkunft und Einkommensklasse der Eltern dürfen bei uns nicht die Entwicklungschancen beeinflussen. Alle sind Mittelschicht, aber hochintelligent, stellt sich hinterher raus. Wir müssen halt doch Anforderungen ans Profil stellen: Programmierkenntnisse, postmoderne und dekonstruktivistische Analysekompetenz, Teamfähigkeit in multikulturellen Arrangements, Hass-Resistenz (vulgo: Selbstbeherrschung). Na dann. Das kann nicht jede/r. (Hamas-Anhänger müssen leider draußen bleiben. Vor der Tür. Evangelikale auch. Und Profi-"Betroffene". Weiße Männer ohne Abitur.) Ein Tor drum, dem´s seltsam vorkommt, wie wir unter uns bleiben. (Du fühlst dich jetzt nicht mitgemeint in diesem "Wir", ich weiß. Und zu Recht. Denn du bist nicht freundlich genug, magst kein Fladenbrot zum Käse und schüttest übermäßig viel Rotwein in dich hinein, wenn Krisen zu meistern sind. Also dauernd. Und hörst zu laut Heavy Metal.) (Ich höre dich lachen. Nicht lustig.)

Der Tag kommt. X-Day. Der Tag, der alles ändert. Wie wir hoffen. Woran wir glauben. (Jeder Glaube ist ein Affront gegen die Realität. Aber die Realität ist ja auch wirklich das Letzte. "In your face.") Wir zwei stehen am Shenandoah River. Ich will Romantik. Jetzt. Bevor es los geht. Sehen wir uns ganz tief in die Augen. Home, sweet home. Wo immer du bist. Es wird noch alles gut. (Noch besser. Die Wirklichkeit kann ja nichts dafür.) Ha, jetzt. Ein Gewaltakt. Denn alle, alle, alle wollen Frieden. Auch der Opa mit dem Urinbehälter am Rollator, der sich von keinem "Neger" den Arsch wischen  lassen will, aber seinem Enkel immerzu zuflüstert: "Nie wieder Krieg. Ich lag vor Stalingrad." Madonna. Denn: Wir wollen Weltfrieden, ewige Gesundheit für unsere Liebsten und lebenslang freie Burger im nächstgelegenen Burger Joint. Außerdem: einen Audi A 8. Und noch mehr Weltfrieden, Toleranz, Liebe, Gewerbefreiheit. Spiel und Spaß. Eine Tarnkappe. Und Dich. Noch mehr Liebe. Sex für alle. Rechte. Ohne Pflichten. Drück den Knopf. JETZT.

Mein Traum: Überall, auf allen Webseiten, wo wahre Religion, reine Seele, guter Wille, feine Gebote und Verbote gepredigt worden sind (+Twitter-Accounts frommer Segensprüchemacher aller drei monotheistischen Weltreligionen) erscheint am bewussten Tage um 8:30 mitteleuropäischer Zeit eine Leuchtschrift (Alles andere ist restlos gelöscht. WIR sind nicht tolerant, erst recht nicht akzeptierend. WIR sind vernichtend. Und das ist gut so.):

GOTT WEISS ES AUCH NICHT.

Auch auf Arabisch. Portugiesisch. Aserbaidschanisch. Georgisch. Spanisch. Katalanisch. Türkisch. etc.ppp. WIR sind Weltbürger. Denn: Wohin ich in Wahrheit gehöre. Läuft durch die Schrift. Für immer und ewig. Sonst nichts. 


"Du bist so verdammt kindisch." "Und dann der Hass." "Stell dir mal den Hass vor."  "Mein Traum ist auch eine Wirklichkeit." "Deine Träume spenden dir Trost." "Auf allen Wegen. Begegnen mir Angehörige. Hihi. " Younger than the Mountains. "Du solltest dich was schämen. So albern ist das." "Eine Milliarde Dollar." "Wär dir das wert, solange du die nicht hast." Take me home to the place where I belong. "Wir gehören nirgendwo hin." Wir? "Ich bin überall zuhause, wo du bist." (Dein Lachen klingt jetzt zynisch. Menno.)

Dienstag, 18. Oktober 2016

FRAUEN SEHEN. Annie Leibovitz´ "Women. New Portraits." in Frankfurt am Main



Frauen sind doch überall sichtbar. Als Ikonen der Weiblichkeit: Heilige Mutter <->Sexy Verführerin. Diese schlichte Gegensetzung dominiert die klassische und religiöse bildende Kunst gerade so sehr wie die Werbung. Was repräsentiert wird in der patriarchalischen Kultur sind eben nicht Frauen (in ihrer historischen, politischen und gesellschaftlichen Vielfalt), sondern die Frau. Innerhalb der Grenzen dieser Kultur werden Frauen fast ausschließlich in ihrer Beziehung zu einem Mann gedacht und gezeigt: als Mütter, Töchter, Geliebte, Schwestern. (Diese Sichtweise ist keineswegs überholt, wie nicht erst der gegenwärtige US-amerikanische Wahlkampf zeigt, in dem noch die schärfsten männlichen Gegner des Frauenverächters Trump ihre Ablehnung für dessen schmuddelige Sicht auf Frauen damit begründen, dass sie Töchter haben.) Frauen können innerhalb dieser Kultur kaum als Personen sichtbar werden, die sich nicht über ihre Beziehung zu einem Mann/Männern konstituieren. Sichtbar und kenntlich wird die Frau als jenes Andere des Mannes, dass –wie Teresa de Laurentis 1984 schrieb – „gleichsam zum Objekt und Zeichen seiner Kultur und seiner Kreativität“ wird und also niemals sich selbst repräsentieren kann. Bildende Künstlerinnen kämpfen seit je mit dieser „Kunst-Geschichte“, die jeden Blick auf ihren Körper und ihr Frau-Sein in den Kontext dieser Strukturen stellt.

Annie Leibovitz, die zu den bekanntesten und – auch finanziell - erfolgreichsten Fotografinnen der Welt gehört, zeigt bis zum 6. November 2016 in Frankfurt am Main die von der Schweizer Großbank UBS gesponserte Wanderausstellung „Women: New Portraits“. Es handelt sich um die Fortsetzung des 1999 noch mit der inzwischen verstorbenen Lebenspartnerin Susan Sontag begonnenen Projektes „Women“, eines Bildbandes, der fotografische Portraits von – aus der Perspektive Leibovitz – bedeutenden Frauen zeigt. 17 Jahre später stellt Leibovitz neue Porträts von Frauen vor, da, wie sie in einem Interview sagte, „The work was never done.“ Frankfurt ist Station einer 10-Städte-Tour, auf der Leibovitz ihre historische Arbeit fortsetzt, Frauen-Porträts statt ikonische Bildnisse der Frau zu schaffen.

Zu sehen sind in Frankfurt die neuen Porträts schlicht auf eine Stellwand hinter Glas gepinnt, ungerahmt, pur. Sie zeigen u.a. die Schriftstellerin Lena Dunham, die Wettkampfschwimmerin Katie Ledecky, die Primatologin Jane Goodall, die Sängerin Adele, Serena und Venus Williams oder Caitlyn Jenner. Der „Leibovitz-Touch“ zeigt sich in der häufig perfekt durchgestylten Inszenierung (aufwendige Interieurs und Arrangements), in der Bezugnahme auf ikonographische Bildfindungen (Madonna mit Kind) und in der satten, weichen Lichtgestaltung. Auf zwei Video-Leinwänden werden die neuen Porträts mit welchen aus der älteren Serie konfrontiert. Im Hintergrund auf einer weiteren Leinwand stets im Blick: das monumentale Porträt der britischen Königin Elisabeth II. in vollem Prunkornat.

Leibovitz präsentiert Frauen, die nicht mehr die Leerstelle einer männlichen Repräsentationskultur, nicht mehr die Frau, über deren Darstellung sich ein männliches Begehren formuliert, abbilden, sondern Frauen, die sich selbst darstellen und inszenieren bzw. von Leibovitz, einer Frau, inszeniert werden. So ist auch auffällig, dass in Leibovitz Porträts immer wieder Frauen sich aufeinander beziehen, miteinander agieren, sich gegenseitig in ihrer (Selbst-) Repräsentation begehren und bestätigen. Es gibt in diesem Repräsentationskosmos auch Männer bzw. Jungen, aber sie sind überwiegend Dekoration, nicht Bezugsgröße.

Allerdings: Annie Leibovitz Porträtfotografien halten sich an eine Ästhetik, wie wir sie aus der Hochglanz-Werbung teurer Magazine, in denen teure Produkte für Menschen, die ein hohes Einkommen haben, angeboten werden, kennen. Es ist eine Sicht auf Frauen und eine Repräsentation von Frauen, die sich im Einverständnis befindet mit dem kapitalistischen Leistungs- und Erfolgsdenken. Die Öffentlichkeit, auf die sich Annie Leibovitz mit ihren Fotografien bezieht, ist eben längst keine post-patriarchale. Es ist vielmehr jene, in denen die Erfolgskriterien einer patriarchalischen Kultur von Frauen übernommen und umgesetzt werden. Frauen können vieles sein und repräsentieren. Mehr noch und anderes auch, als das was Annie Leibovitz interessiert und zeigt.
Trotzdem: Sehenswert!

Annie Leibovitz
WOMEN. NEW PORTRAITS
Kunstverein Familie Montez
Honsellstr. 7
60314 Frankfurt am Main
14. Oktober - 6. November
Eintritt frei


Cross-Post: bzw-weiterdenken.de

Montag, 10. Oktober 2016

Einladung: WEIBLICHE AUTORITÄT IN DER WELT STÄRKEN

JUBILÄUMSTAGUNG DES INTERNETFORUMS bzw-weiterdenken in Frankfurt am 21. Januar 2017


Zum 10jährigen Jubiläum des Internetforums bzw-weiterdenken.de lädt die Redaktion alle Leserinnen am 21. Januar 2017 zu einer Tagung nach Frankfurt ein.


Die Redakteurinnen wollen mit den Tagungsteilnehmerinnen darüber nachdenken, was gemeinsam zu  tun ist, um weibliche Autorität in der Welt zu stärken, wie es kommt, dass die Autorität von Frauen aufgrund ihres Geschlechts immer wieder untergraben wird, wie auch Frauen an diesen Prozessen mitwirken und wie man ihnen entgegentreten kann. Denn: Wenn weibliche Autorität in der Welt geschwächt wird, geht as alle an.
Welcher Frau eine Autorität zuspricht, ist eine persönliche und politische Entscheidung. Die Teilnehmerinnen werden sich gegenseitig davon erzählen, welchen Frauen sie Autorität verliehen haben und wie diese Beziehungen ihr Leben und Denken bereichert und verändert haben. Deshalb bittet die Redaktion die Teilnehmerinnen der Tagung, ein Bild (Din A4) einer Frau mitzubringen, deren Wirken ihnen mehr weibliche Freiheit ermöglicht hat. Aus den Bildern soll eine große Collage entstehen. Es können Frauen sein, mit denen die Teilnehmerinnen persönlich im fruchtbaren Gespräch gewesen sind, aber auch Vorgängerinnen, deren Schriften, Bilder, Musiken zu ihnen gesprochen haben.
Anmeldung ab sofort über EVA-Frauenzentrum Frankfurt
per Telefon 069-920708-0 
oder 
per Mail eva-frauenzentrum@frankfurt-evangelisch.de


„Weibliche Autorität in der Welt stärken“
Tagung der bzw-weiterdenken.de-Redaktion 
Samstag, 21. Januar 2017
Ankommen: 9.30 Uhr
Begrüßung: 10:00 Uhr
Ende: ca. 17:30 Uhr
EVA, Saalgasse 15, 60311 Frankfurt
Tagungsbeitrag € 15/25/35 inkl. Mittagessen (Selbsteinschätzung)


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Autorität ohne Macht

Dienstag, 4. Oktober 2016

WORT-SCHATZ (20): DUMMHEIT

mir wird von alledem so dumm
als ginge mir ein Mühlrad im kopf herum

Göthe 


BenHuRum aka Thomas Hartmann

Wieviel Dummheit ist unentbehrlich?

Wir müssten mal über Dummheit reden.
Allerdings, scheint es, kann man über Dummheit nur im Konjunktiv reden.
Zu dumm.

"Die ausgeübte Dummheit ist in sich inkonsequent.", sagte BenHuRum schon vor 20 Jahren. Was nicht bewiesen werden braucht. Denn auch der Dumme mag kein Plumpsklo und lieber Zentralheizung. 
Wird man dumm geboren, heutzutage (hehe, 50 Cent ins Töpfchen für den guten Zweck, für jedes "heutzutage"), oder muss man sich arg anstrengen, es zu bleiben? 

Als den Dummen nur die halbe Welt gehörte, gab es noch Hoffnung.
Die Dummen stellen jene diskriminierte und diskriminierende Mehrheit, in der sich jede/r am längsten darüber bescheißen kann, ob sie/er dazu gehört. 
Die Dummen sind nämlich immer die Anderen.
"Das sehe ich genauso." 
Und: Schon Robert Musil wusste, dass es das Dummheitsparadox ist: Man kann nicht über Dummheit sprechen, ohne es zu werden - dumm.

Gegenwärtig wird aus diesem Paradox ein politisches Desaster. Das Dumme wabert. Selbstbewusst-bewusstlos nebelt es alles ein. Vielen scheint viel Dummheit attraktiv. Wer perdu und mit Fleiß dumm bleiben will, leistet sich einen Haufen (Scheiß- Assoziationen!) Meinungen. Und ist mit ihnen verdammt glücklich. Außer wenn´s stinkt. Und es stinkt meistens. Weswegen Dumme nicht nur dumm, sondern oft auch sehr wütend sind. "Die Dummheit ist ein Sachverhalt, welcher noch im Normbereich geistiger Fähigkeiten liegt." Und also keineswegs pathologisch. 
Das, wiederum, ist ein Fakt, der auch die weniger Dummen, zornig machen kann.

Folglich: Ist Dummheit selbstverschuldet? 
Der Dumme trägt seine Dummheit mal als Monstranz und mal als Wunde vor (sich her). "Dumm fickt gut." 
Denken hemmt. Verdummte aller Länder!  (vereinigen sich)

Der Vorwurf der Dummheit ist milder, heißt es, als der der Albernheit. Stimmt das? Wer albern ist, hat Spaß. An der Dummheit kann einer das Lachen vergehen. 

Die Optimisten glauben: Sie sind nicht so dumm, wie sie aussehen.

Wir müssten über Dummheit reden, um die Welt zu retten.

Wovon man nicht reden kann, darüber soll man schweigen. 
Dumm. 
Drum.

Dienstag, 27. September 2016

PINKFARBENE BEHAUPTUNGEN. POSTFAKTISCH. ("Von Kondomen lernen.") Ein Traumbild

"Keine Hülfe für Vera." Mir träumte, du stiegest die Leiter eines Doppeldeckerbettes hinunter. Oder hinauf? Mir träumte, da hinge eine rote Schnur. So ließe sich der Zug anhalten. Du zogst nicht. 

Mein Name ist...nicht Vera. Mit der Wahrheit nehme ichs nicht so genau. Trotzdem habe ich keine Meinung, die ich respektiere. (Man nennt diesen Einsatz von Konjunktionen kontralogisch, weißt du.) Postfaktische Traumata. Therapie ist unmöglich. Es gibt nichts Vergnüglicheres, als einen Sack pinkfarbener Behauptungen aufzuhängen und in der Sonne trocknen zu lassen. Was ist der Unterschied zwischen einer Lüge und deiner überbordenden Phantasie? Der Sack sieht Scheiße aus. Wer erfindet, muss gewissen ästhetischen Maßstäben gehorchen. (Hier nicht.)

"Ich geh aggro.", sagt sie (ich). In Wirklichkeit (immer gelogen!) hält sie die Klappe. Oder quatscht alle zu und tot. Bloß nichts aufkommen lassen. Die innere Arroganzpuppe tobt: Dummies. Dummies. Dummies. Autounfallsimulation. Crash. Bong. Spritz. Nutzlose Gehirne auf grauem Asphalt. Auch nicht schöner als Kotze. Leider wird der letzte Teil, wenn alles quetscht, platzt und blutet selten realitätsnah nachgebildet. Belegen wir einen Schminkkurs für Splatterfilmmaskenbildnerinnen? (Die Frage war ernst gemeint.)

Warum so zynisch, Madam? Ich bin grad nicht so verliebt. Mancher Mund ist einfach zu klein, um zum Küssen zu verführen. Boyscouts wirken nicht anziehend, wenn sie ihre Zelte aufschlagen und ihre Kompasse vergleichen. Ohne Eros geht bei mir eben kaum was. Sex wird dagegen maßlos überschätzt. "Virginia. Virginia."

"Keine Hülfe für Vera." Denn es geht nur noch um Gefühle. Beziehungsweise um gefühlsechte Simulationen. Von Kondomen lernen. (Ich wünschte, du nähmest mich einmal ganz fest in die Arme und ersticktest mein Gejammere an deiner Schulter.) Zieh an der Schnur. Gleise. 


Freitag, 2. September 2016

NIXENSCHWEIF oder GRAMGLÜCK "Nur die Wellen wurden zaudernder."

Am Anfang schienen die Machtverhältnisse klar: Die B. führte und die L. ließ es geschehen. Sie war verführt worden, wahrhaftig, angelockt wie eine leichte Beute und gefangen von der B., die mit all ihrer Erfahrung das Begehren der L. erahnt, verstärkt, gedehnt hatte, so dass die L. ihr verfiel, verfallen musste, als es soweit war. Dennoch spürte auch die B. schon bei jenem ersten Kuss, mit dem sie die L. in der Anstalt überwältigt hatte, wie sich in ihr etwas regte, eine Sehnsucht, die das bekannte Spiel überschritt, die nach Ruhe schrie, um Vergebung flehte. Noch verhallte das wie in einer tiefen, engen Schlucht und sie riss die L. mit sich, wie andere Geliebte zuvor, Männer,die sie liebend vernichtet hatte. Auch die L. gab sich auf: Beruf, Stand, Freunde, Verwandte. Folgte der B., wohin die sie führte. Ans Meer. 

Und hier saßen sie nun. Im weißen Haus über dem Hafen auf ihrer Bank wie Philemon und Baucis nebeneinander, noch nicht alt allerdings. Und da geschah es. Sie saßen, vier nackte Knie parallel gestellt, die Handflächen eine jede auf die hölzerne Bank gelegt, links die B. und rechts die L. Nicht einmal ihre Schultern berührten sich. Nur der rechte kleine Finger der B. streifte hauchzart den linken kleinen Finger der L. So saßen sie. Still. Die B. trug ein weichfallendes, silbergraues Chiffonkleid, ihre blonden Locken bewegte leicht der Wind. Das dunkle Haar der L. lag kurz und flach wie ein Helm um deren Kopf. Sie trug ein dunkelblaues T-Shirt mit weitem rundem Ausschnitt und enge Jeans. Das Bild, das sie abgaben, war idyllisch und fremdartig zugleich. Sie harmonierten miteinander und mit dem Hintergrund: dem weißen Haus und seinen grauen Fensterläden, dem hellen Blau des Himmels, dem dunklen Kopfsteinpflaster unter der Holzbank. Dennoch ging es nicht auf: Die B. wirkte wie aus der Zeit gefallen und die L. war viel zu klassich modern. Zu schön um wahr zu sein, sozusagen. Niemand sah sie so sitzen (oder zumindest nahmen sie niemanden wahr, der sie sah). Doch sie beide waren in jener Stunde ganz bei sich und hatten zugleich das Bild vor Augen, das sie abgaben. Sie spürten sich innig, wie in keiner Umarmung, keinem Kuss zuvor, vereint und doch getrennt, indem sie einander erkannten, als das, was sie sich sein würden: die Erinnerung an eine Nähe, die alle Sehnsucht stillte. All ihr Empfinden konzentrierte sich in jener Stunde in den winzigen Hautpartien, an denen sich ihrer beide kleinen Finger berührten. Sie wussten, dass sie einander niemals näher kommen konnten, egal wie heftig oder wie zärtlich sie den Körper der anderen vorher oder später erkundeten, einander nutzen würden, um sich der Ekstase zu nähern. Und alle Lust will Ewigkeit. Dachte die B. Da war es vorbei. Denn die Ewigkeit verging, sobald sie gedacht wurde. Sie haben alle recht: Ich kann nicht treu sein. Wusste die B. Und die L. sagte in das Schweigen hinein: "Wir haben doch einander." Das war kitschig. Unsägliche Lästigkeit. Und das Ende. 

Noch nicht sofort, selbstverständlich. Das Meer blieb. Der wunderbare Altweibersommer dieses Jahres. Sanft bräunte die Sonne die nackten Beine der B. und der L., die am Strand entlang wanderten. Ein Schiff wird kommen. Es schien alles offen, der Horizont, die junge Liebe, das ziellose Leben. Nur die Wellen wurden zaudernder. Die B. drängte es nirgendwo hin. Dieses eine Mal musste sie nicht gehen. Keine Szene machen. Niemanden verwunden. Sie wusste, das etwas Neues geschehen würde, schon geschehen war. Die L. würde sie verlassen. Mit viel Wut im Bauch. Wofür ich mich geopfert habe. Die B. fragte sich, wie es wohl sein mochte, verlassen zu werden. Sie forschte nach der Traurigkeit, die sie nicht empfand. Der L. sagte sie nichts davon. Die L. verhielt sich, noch im September und im Oktober, als gäbe es kein Morgen. Wir haben doch einander. Im November nahm sie die Gleichgültigkeit um die Mundwinkel der B. wahr. Noch gab es tränenreiche Versöhnungen. Ein sonderbares Weihnachtsfest, bei dem die L. über jedem Geschenk Tränen vergoss, sowohl bei denen, die sie bekam, wie bei denen, die sie verschenkte. Die B. wartete gelassen. Sie wusste inzwischen, dass sie nicht leiden konnte um der Liebe willen. Nur dieser leichte, bitter-salzige Geschmack auf den Lippen. Seeluft. "Ich werde verlassen", dachte sie und fühlte nichts. Sie nimmt sich selbst zurück. Am Neujahrstag packte die L. ihre Sachen. Sie hinterließ kein Abschiedsschreiben. Sie fühlte keine Schuld. Noch nicht. 


Von oben kam nichts. Die Vivipara langweilte sich schrecklich. Sie sah nur Postkartenidyllen: weiße Häuser am Meeresstrand, Frauen im wehenden Kleidern und weißen Hüten am Strand, sanfte Küsse vor duftenden Öfen. War die B. wirklich eine solche Enttäuschung? Oder entging ihnen etwas? Das Wesentliche. Die Vivipara schlug mit dem schuppigen Schwanz auf den Tisch. (Nur wenn niemand zusah; im Allgemeinen gab sie sich menschlich.) Sie ließ die Wahrscheinlichkeiten berechnen. Gut, im Herbst zeigten sich kleine Risse im feinen Beziehungsgeflecht zwischen L. und B. Andererseits: Die B. blieb sesshaft, rührte sich nicht. War das Experiment endgültig gescheitert? Oder ging es gerade darum, diese Abweichung zuzulassen? Wie sollte man mit der L. verfahren, falls sie zurückkam? "Die L. ist draußen."; das war die Mehrheitsmeinung. Die Vivipara dagegen wirkte unentschieden. Etwas an der L. rührte sie. Sie ertappte sich dabei, dass sie gerne mit der Hand über deren glattes Helmhaar gestrichen wäre. Dann schüttelte sie sich. Das war obszön. Von weiter oben kam nichts. Jahre lang nun schon. 

Erst im April erreichte die B. ein Schreiben der L., vom Computer ausgedruckt, handschriftlich unterschrieben. Es zeugte von herber Bitterkeit. Die B. wartete vergeblich auf Tränen. Sie setzte sich vor dem Haus auf die Bank in den Wind. Noch immer war sie eine außergewöhnlich schöne Frau mit ihren blonden Wellen und grünen Augenteichen, bis zu den Hüften abwärts. Unter der Bank erstreckte sich schuppig ihr silberner Schwanz.

Die Vivipara hatte kein Herz. Aber hätte sie eines gehabt, in diesem Augenblick hätte es heftig geschlagen. 

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Das Ende der Handschrift


* Lange lag - wie anderes auch - das Fabelwesen-Projekt brach. Dann geschieht etwas. Jemand stößt eine Erinnerung an, unbewusst, unwissend. Jemand bewegt sich - und etwas in mir. Die Fabelwesen sind immer da, wie ein Bandwurm in den Eingeweiden, jetzt spüre ich sie wieder. 

Mittwoch, 17. August 2016

BEWEGTBILDEXPONAT. Das filmische Erzählen - eine neue Installation im Deutschen Filmmuseum Frankfurt a.M.




Bild. Ton. Schauspiel. Schnitt.







Die Elemente des filmischen Erzählens. Dass der Film eine epische Kunstform ist, inzwischen eine traditionelle, weiß jede/r. Die Tradition des filmischen Erzählens verdankt dem deutschen Kino des frühen 20. Jahrhunderts viel: die expressionistischen Experimente mit Licht und Schatten (Wegners "Der Student von Prag", 1913 oder später Murnaus "Nosferatu", 1922), die die Horrorfilm-Ästhetik bis heute prägen, die Slapstick-Einlagen und den Witz rhythmisch gesetzter Schnitte schon in Ernst Lubitschs frühen Komödien-Zweiaktern, Georg Wilhelm Pabsts sozialkritische Gesellschaftspanoramen ("Die freudlose Gasse", 1925), Fritz Langs monumentale Entwürfe ("Die Nibelungen", 1924 und schließlich "Metropolis", 1927), Lotte Reinigers faszinierende Animationsfilme ("Die Abenteuer des Prinzen Ahmed", 1926), die bis heute nichts von ihrem Zauber verloren haben.  

Diese Auswahl ist willkürlich. (Ich nenne Filme, die ich gesehen habe.) Von dem Aderlass des deutschen Films in den Jahren nach der Machtübernahme der Nazis 1933, die nicht weniger als 1500 Filmschaffende ins Exil trieb, hat sich indes der deutsche Film nie wieder ganz erholt. Hinzu kommt, dass in Deutschland das Bewusstsein für den Film als Kunst  behindert wurde durch die auch nach 1945 vom Kultur-Establishment gepflegte Trennung von E- und U-Kultur. Der Film wurde von den meisten Vertretern desselben der U-Kultur zugeschlagen, gegen die mit anti-amerikanischem Unterton von konservativen wie linken Vertretern des Kulturmilieus polemisiert wurde. (Stichwort: "Kulturindustrie"). 

Vor diesem Hintergrund ist die Arbeit des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt, das 1984 von Walter Schobert als erstem Direktor eröffnet wurde, zu verstehen. Die Seminare Walter Schoberts, in denen er mit Leidenschaft und vielen Filmbeispielen erklärte, waren mein Einstieg in die Filmkultur (unvergessen ein wunderbares, lustig-trauriges zu Buster Keatons großartigen Stummfilmen). Im Deutschen Filmmuseum und im ihm angeschlossenen Kino stellt man sich seit nun mehr über dreißig Jahren der Aufgabe, das kulturelle filmische Erbe würdigen: Dass der Film eine epische Kunstform ist, inzwischen eine traditionelle, weiß nämlich jede/r. 

Seit 2006 ist Claudia Dillmann Direktorin des Filmmuseums. Unter ihrer Leitung wurde das Haus umgebaut und für die Dauerausstellung eine neue Konzeption erarbeitet, die 2011 erstmals den Besuchern offen stand. Neben der Vermittlung der Geschichte des Films wurde der Fokus nun stärker auch auf die erzählerischen Mittel des Films gesetzt, die dem Publikum durch Film-Beispiele und interaktive Elemente (Tonexperimente, Greenscreen etc.) näher gebracht werden. Unter Claudia Dillmanns Ägide hat das Deutsche Filmmuseum zudem eine Reihe überaus erfolgreicher Sonderausstellungen realisiert, darunter die legendäre Stanley-Kubrick-Ausstellung, die seit Jahren durch die Welt tourt und weit über eine Million Besucherinnen und Besucher erreicht hat. Zugleich bietet das Kino des Deutschen Filminstituts im Untergeschoss nicht nur dem neuen deutschen Film eine Plattform, sondern ermöglicht auch immer wieder Filmreihen, die das Gesamtwerk einzelner Regisseurinnen und Regisseure oder bestimmte thematische oder formale Aspekte der Filmgeschichte in den Fokus rücken (Morel schreibt in diesem Blog gelegentlich unter dem Titel "Spätvorstellung" zu diesen Reihen). Besonders erwähnen möchte ich die Reihe "Lecture and Film", die in Zusammenarbeit mit der Universität Frankfurt durchgeführt wird. Im Rahmen dieser Reihe war beispielsweise zuletzt Agnés Varda in Frankfurt zu Gast und gab erhellende Einblicke in ihr langjähriges filmisches Schaffen. 

Am 14. Juli 2016 feierte das Deutsche Filmmuseum nach 5 Jahren die Eröffnung des "neuen" Filmmuseums und konnte dabei gleich mit einem neuen Highlight aufwarten. Im zweiten Stock des Hauses wurde der "Filmraum", eine vierteilige Leinwand-Installation völlig neu inszeniert. Unter den Überschriften "Bild", "Ton", "Schauspiel", "Schnitt" hat Medienkurator Michael Kinzer ein "Bewegtbildexponat" geschaffen, das selber filmische Kunst ist. Auf vier Leinwänden werden die Betrachterinnen und Betrachter über insgesamt eine Stunde im vergleichenden Sehen und Hören geschult. Über 200 Filmausschnitte aus  100 Jahren Filmgeschichte zeigen, wie Licht und Schatten, Farbspiele, Schnittfolgen, Tonspuren unsere Wahrnehmung gestalten. Dabei setzt Kinzer auf Ähnlichkeiten, Wiedererkennen, Erinnerungen, Kontraste. "Spiel mir das Lied vom Tod" wird in seine einzelnen Schnitte zerlegt, Meryl Streep und Dustin Hoffmann sind gleichzeitig in unterschiedlichsten Rollen zu sehen, auf vier Leinwänden wird zeitgleich ein Streichholz entzündet, dieselbe Musik begleitet Filmausschnitte aus vier auch zeitlich weit auseinander liegenden Filmen. Kinzers Installation kommt dabei nicht plump didaktisch daher. Wir verstehen, wie "es" gemacht wird und können uns doch gleichzeitig der Magie nicht entziehen, manchmal lachen wir über unsere (Selbst-)Überlistung, manchmal sind wir schockiert über unsere Fehlwahrnehmungen. Wir reflektieren unsere Seh- und Hörerfahrungen und machen zugleich ganz neue. Die Installation erzählt eine Geschichte des Films, falsch, sie ermöglicht es, uns selbst verschiedene Geschichten des Films zu erzählen. Man muss diese Installation nicht in Gänze "am Stück" sehen, man kann es aber - und es wird nicht langweilig. Schöner noch: Es lohnt sich, dem Spiel der Bilder, Töne, Schnitte, Schauspieler mehrfach zu folgen, denn die Geschichte des Films, die eine sich hier erzählen kann, wird sich ändern: neue Assoziationen, Erinnerungen, Entdeckungen. 

Dass der Film eine epische Kunstform ist, inzwischen eine traditionelle, weiß nämlich jede/r. Schön, dass diese Kunstform gepflegt, ihre Geschichte und Tradition in Frankfurt vermittelt wird. Weniger schön, dass in Deutschland für die dringende Digitalisierung des filmischen Erbes seit Jahren nicht genügend Geld bereitgestellt wird. Wenn es nicht jetzt geschieht, gehen unschätzbare Kulturgüter für immer verloren. Die Zeiten, in denen das filmische Erbe vom Kulturestablishment nicht als Kunstform anerkannt wurde, sollten endgültig vorbei sein. Doch sie werfen, was die Finanzierung angeht, offenbar noch ihre Schatten. 

Besuchen Sie die Dauerausstellung des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt und lassen Sie sich von der "Bewegtbild"-Installation im 2. Stock faszinieren und berühren! 

Deutsches Filmmuseum/Deutsches Filminstitut in Frankfurt am Main (Öffnungszeiten etc.: hier).

Dienstag, 16. August 2016

Freitag, 12. August 2016

SCHLÄFRIG ("Gummipuppen für alle!") Ein Traumbild

Wenn diese Kälte unter die Decken kriecht, durch jene kleinen Falten, die der Nachweis meiner mangelhaften Vermummung sind, höre ich dich murmeln: "Und doch!" Ich weiß nicht mehr, wovon du sprichst und es ist mir auch egal. Du solltest schlafen, wenn ich wache.


Wie das dröhnt, dass die Böden wackeln. Ich lausche in die Nacht hinein, das Hämmern der Bässe, die zerkratzten Melodien, hysterische Stimmen. So fern. Ein Lachen wie eine Maschinenpistolensalve. Weiber! Unrythmisches Klatschen. Männer-Fäuste auf den Tischen! "Bitte nehmen Sie die Finger von meiner Schulter." Begeben Sie  sich auf direktem Wege zum Ausgang. Sich selbst hinaus komplimentieren. "Salon-Esprit funktioniert hier doch nicht!" Schreist du über den Lärm hinweg. Falscher Text. Falsches Jahrhundert. Ich hätte nicht mitkommen sollen. Wohin ich in Wahrheit gehöre. Hihi.

Das Geräusch eines Springbrunnens soll das Wasserlassen beschleunigen. Geschlechtsunterschiede beim Pinkeln. Ich könnte einige Themenkomplexe konstruieren. Unterhaltungsmaterial für Kneipengespräche. Jetzt lasse ich dich aber endgültig hier stehen. Ich mag Holzvertäfelungen. Fällt mir gerade ein. Nussbaum, amerikanisch. Haare sollten nicht die Farbe von Margarine haben. Nur mal so ins Unreine gedacht. Was wenn ich nicht aufhören könnte, an dich zu denken, trotzdem. 

Später liege ich wach. Ich gründe eine Hacker-Vereinigung zur Zerschlagung islamofaschistischer Internet-Accounts. Dieser Geruch nach vollgepissten Männer-Unterhosen, immer wenn Allah groß erwähnt wird. Oder ein anderer Gott. Fuck ´em all. Eher nicht. Ein Grund für den ganzen Scheiß ist ja die Unterficktheit unsympathischer Jünglinge. Gummipuppen für alle! Hehe.

"Dein Humor war auch schon mal besser." Geschenkt. Ich sehne mich jederzeit nach mehr Poesie. Maiglöckchen-Alarm. Ein Freund im Arm. Und einer an der Hand. So happy to meet you again. Verregnete Sommer wurden auch schon mal für bessere Songs verwendet. Die Laune ist besser als es scheint. "Maiskroketten." "Gibt es?" Perfekte Dinner mit der ganzen Familie.

Ich führe die Kinder an der Hand. Sie reißen sich los und rennen über den Flur. "Hier schlafen wir.", schreien sie und öffnen eine Tür. Dahinter wird es weit und weich. Ich sinke ein. Irgendwann kommst du hinterher. Bestimmt.